Vortrag bei Nürnberg-Konferenz des Pilecki-Instituts in Berlin

Am 3. und 4. Dezember 2025 nahm unsere Mitarbeiterin Julia Klaus an der internationalen Konferenz „Unknown Legacies of the Nuremberg Trial: Regional Approaches and Perspectives in East Central Europe“ am Pilecki-Institut in Berlin teil. Die Tagung beleuchtete Bedeutung, Nachwirkungen und blinde Flecken des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere seine Rezeption in Mittelost- und Osteuropa.

In ihrem Vortrag „Axis Rule in Occupied Asia? The Tokyo Tribunal, Its Uncomfortable Relationship with Nuremberg, and Rafał Lemkin“ skizzierte Julia Klaus einige wenig beachtete Wechselwirkung zwischen dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg und dem Internationalen Militärgerichtshof für den Fernen Osten in Tokio. Anhand der bislang weitgehend unbekannten Rolle des aus Ostmitteleuropa stammenden Juristen Rafał Lemkin bei der Organisation des japanischen Hauptkriegsverbrecherprozesses zeigte sie, wie Erfahrungen aus Nürnberg – ganz besonders Lemkins Enttäuschungen dort – seine Versuche prägten, das Tokioter Verfahren zu beeinflussen. Konkrete Beispiele waren Lemkins Versuche, Karl Haushofer in Tokio anklagen zu lassen, seine Übertragung gruppenbezogener Ansätze vom Völkermordbegriff auf das Aggressionsverbrechens sowie sein Entwurf eines „Axis Rule in Occupied Asia“.

Der Konferenzvortrag von Julia Klaus knüpft an ihr Promotionsprojekt zu den Richtern des Internationalen Militärgerichtshofs für den Fernen Osten (1946–1948) an, das auf umfangreichen Archivrecherchen in 14 Ländern basiert. Im Kontext dieser Recherchen stieß sie auf bislang unbekannte Archivalien zu Lemkin, die sie nun in Berlin vorstellte. Ihr Beitrag fügt der Debatte um das Erbe Nürnbergs eine ganz spezielle transnationale Perspektive hinzu, indem er die ambivalente kurzfristige Wirkung des Nürnberger Präzedenzfalls auf das Tokioter Tribunal durch Lemkin als Mittler zwischen Europa und Asien herausarbeitet.